Gefängnis ohne Mauern, Schiff ohne Meer…

TABLEAUX MORTS MIT TEXTEN VON JEAN GENET

PHILIPP C. MAYER / ENSEMBLE GARAGE

23.04.2026

19:00 – 20:00

COMEDIA Theater, Roter Saal

Tickets

Auf Deutsch (keine Übertitel)

24.04.2026

17:00 – 18:00

COMEDIA Theater, Roter Saal

Tickets

Auf Deutsch (keine Übertitel)

 

Immer wieder als Landstreicher, Außenseiter, Homosexueller, Dieb und Rebell gelabelt, ist Jean Genet (1910-1986) einer der bekanntesten und vermutlich umstrittensten Schriftsteller Frankreichs. Inhaftiert beginnt Genet aus der Gefängniszelle heraus zu schreiben und wird zu einer Ikone der französischen Literatur. Sein literarisches Denken und Schreiben kreist dabei immer wieder um jene Zeit, die er als Jugendlicher in der berüchtigten Strafkolonie Mettray – einem Gefängnis ohne Mauern – verbrachte.

In acht ‘tableaux morts’ werden Motive Genets Schreibens wie eine Landschaft erkundet. Anstelle einer linearen Handlung verknüpfen sich körperliche, räumliche und psychologische Zustände zu einer dichten Dramaturgie aus Musik, Elektronik, Text, Körper und Video, die sich für Genets Ästhetik der Unzuverlässigkeit, der Heimatlosigkeit, der Subversion interessiert: die beklemmenden Schatten Mettrays, das existenzielle Gefühl des Gefangen- und Ausgegrenzt-Seins, das ständige Spiel von Realität und Fiktion, das Umkehren von Werten, eine Erotisierung zwischen Gewalt und Zärtlichkeit, das seltsame Verhältnis zwischen einer unglaublich reichen Sprache und dem tiefen Gefühl von Leere.

 

„Dort gab es keine Mauern, sondern Lorbeerhecken und Blumenreihen; […] Wir waren die Opfer eines anscheinend harmlosen Blätterwerks, das bei unserer geringsten gewagten Bewegung zu einem elektrischen Geäst werden konnte, und das mit einer solchen Spannung geladen war, daß sie bis tief in unsere Seelen gedrungen wäre.
Aus: Jean Genet, Wunder der Rose, Merlin Verlag

Mettray nimmt plötzlich den Platz – nicht des Gefängnisses, in dem ich sitze – sondern meiner selbst ein, und wie früher auf meiner Pritsche, so schiffe ich mich auf den Trümmern der Barke ein, die ohne Masten und fast völlig zerstört zwischen den Blumen des großen Vierecks in Mettray liegt.
Aus: Jean Genet, Wunder der Rose, Merlin Verlag

Vortragsrechte für die verwendeten Textauszüge aus der Jean-Genet-Werkausgabe, Band 2 „Wunder der Rose“ und Band 9 „Essays/Interviews“: Merlin Verlag, Gifkendorf

Zugänglichkeit

Barrierefrei zugänglich.

Rollstuhlgerechtes WC vorhanden.

Assistenzhunde erlaubt.