Gefängnis ohne Mauern, Schiff ohne Meer…
PHILIPP C. MAYER / ENSEMBLE GARAGE
23.04.2026
19:00 – 20:30
24.04.2026
17:00 – 18:30
“Dort gab es keine Mauern, sondern Lorbeerhecken und Blumenreihen; […] Wir waren die Opfer eines anscheinend harmlosen Blätterwerks, das bei unserer geringsten gewagten Bewegung zu einem elektrischen Geäst werden konnte, und das mit einer solchen Spannung geladen war, daß sie bis tief in unsere Seelen gedrungen wäre.”
(Aus Wunder der Rose, S. 172, Merlin Verlag)
„Mettray nimmt plötzlich den Platz – nicht des Gefängnisses, in dem ich sitze – sondern meiner selbst ein, und wie früher auf meiner Pritsche, so schiffe ich mich auf den Trümmern der Barke ein, die ohne Masten und fast völlig zerstört zwischen den Blumen des großen Vierecks in Mettray liegt.“
(Aus Wunder der Rose, S. 109, Merlin Verlag)
Jean Genet (1910-1986) – immer wieder als Landstreicher, Außenseiter, Homosexueller, Sträfling, Dieb, Rebell gelabelt, ist einer der bekanntesten und wohl auch umstrittensten Schriftsteller Frankreichs. Inhaftiert beginnt Genet aus der Gefängniszelle heraus zu schreiben, wobei sein literarisches Denken und Schreiben immer wieder um jene Zeit kreist, die er als Jugendlicher in der berüchtigten Strafkolonie Mettray – ein Gefängnis ohne Mauern – verbrachte.
In acht ‘tableaux morts’ werden Motive Genets Schreibens wie eine Landschaft erkundet. Anstelle einer linearen Handlung verknüpfen sich körperliche, räumliche und psychologische Zustände zu einer dichten Dramaturgie aus Musik, Elektronik, Text, Körper und Video, die sich für Genets Ästhetik der Unzuverlässigkeit, der Heimatlosigkeit, der Subversion interessiert: die beklemmenden Schatten Mettrays, das existenzielle Gefühl des Gefangen- und Ausgegrenzt-Seins, das ständige Spiel von Realität und Fiktion, das Umkehren von Werten, eine Erotisierung zwischen Gewalt und Zärtlichkeit, das seltsame Verhältnis einer unglaublich reichen Sprache und dem tiefen Gefühl von Leere.
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Philipp C. Mayer
Komposition, Konzeption
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Miriam Götz
Regie
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Julian Kämper
Dramaturgie
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Jan Patrick Brandt
Bühne, Kostüm
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Max Kurth
Schauspiel
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ENSEMBLE GARAGE
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Steffen Ahrens
E-Gitarre
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Eva Boesch
Violoncello
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Carlos Cordeiro
Klarinette
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Yoshiki Matsuura
Posaune
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Annegret Mayer-Lindenberg
Viola
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Yuka Ohta
Schlagzeug
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Małgorzata Walentynowicz
Piano